![]() | 05. Februar 2012 Facharzt vs. Onlineforum Mir fällt es immer mehr auf, dass in den Onlineforen immer mehr Threads auftauchen über Erkrankungen, Behandlungen und Medikamente. An sich spricht nichts dafür, ganz im Gegenteil! Für Betroffene, kann es eine große Stütze sein, wenn sie sich austauschen können über Behandlungsformen, Verläufe und und und... aber was mir immer mehr aufstößt sind diese Forenbeiträge, wo Unwissende ihr Halbwissen zur Schau tragen. Aktuell gibt es einen Thread hier im Joy, in dem eine Frau von ihrer sexuellen Lustlosigkeit berichtet, sie hat eine Schilddrüsenerkrankung und weil sie das ja im Internet gelesen hat, hat sie sich gedacht, sie probiert mal Oxytocin Lobuli aus. Erst einige Beiträge später (wo ihr von den meisten vernünftigerweise davon abgeraten wurde) hat sie erwähnt, dass sie ja schon seit mehreren Wochen das Gefühl hat, dass sie nicht mehr so richtig eingestellt ist mit ihren Medikamenten, aber zum Facharzt ist sie halt bislang nicht gegangen, warum auch. Ein anderes Beispiel ist eine gute Freundin von mir, die idiopatische Neuropathien in beiden Beinen hat, bevor ich sie allerdings davon überzeugen konnte, dass sie sich beim Neurologen vorstellen muss und das so schnell wie möglich, hat sie erstmal sämtliche Foren durchgewälzt und war dann am Boden zerstört, wie ihr die Leute tausende von Krankheiten an den Kopf geschmissen haben, die ja sie haben oder der Freund der Tante einer Bekannten dessen Freundin haben könnte. Mir ist es völlig bewusst, dass man das nicht unterbinden kann, aber mir stellt sich trotz alledem die Frage, warum verlassen sich die Menschen lieber auf tausende, teils idiotische Aussagen von Laien, statt zum Facharzt zu gehen? Warum probieren sie lieber irgendwelche Medikamente und Hormone, die verherende Nebenwirkungen haben können, statt einmal mit dem Facharzt nach der Ursache zu suchen? Ich mein, wenn ich Probleme mit dem Auto hab (wovon ich ehrlicherweise so gut wie keine Ahnung hab), dann schraub ich doch auch nicht erst am Motor rum und fahr dann in die Werkstatt, wenn schon alles kaputt ist und wunder mich dann, wenn der Werkstattpreis mein Budget sprengt. Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen? |
![]() | 05. Februar 2012 An sich spricht nichts dafür, ganz im Gegenteil! da sollte natürlich nichts dagegen stehen, statt dafür ... |
![]() | 05. Februar 2012 Recht hast Du... Ich bin ja hier eher nur Mitleserin, sehr oft habe ich aber schon den Gedanken gehabt mal einen ähnlichen Beitag zu schreiben. Danke, Du dass mir dies abgenommen hast. Hoffentlich erreicht es auch die Richtigen, die dann ihre Zeit dazu nutzen sollten, sich über fachärztlich diagnoszierte Erkrankungen zu informieren. |
![]() | 05. Februar 2012 Genau ER hat Recht mein Weg.....führt mich immer direkt zu den Fachärzten. WEIL....ich eben in meinem Job, einfach zu viel erlebt habe....wo Wochenlang....Monatelang rumgedoktert wird....und dann ist es meist zu spät. |
![]() | 05. Februar 2012 ups.... SIE hat natürlich RECHT!!!!! |
![]() | 05. Februar 2012 Jawoll!!! Sehe das genauso! Auch in der Praxis erscheinen immer mehr Patíenten mit fertigen"Diagnose Paketen" die sie sich von "Dr.Google" erstellen lassen. Diese Patienten unglaublich schwer zu führen. Und leiden dann zusätzlich an einem "Non-compliance-Syndrom" weil die durch "Dr Google" ´gestellte Diagnose wahrscheinlicher scheint als die des Facharztes. Keine Ahnung warum, aber ich finde es nervig und meine Empathie für diese Patienten geht ungebremmst gegen Richtung 0! |
![]() | 05. Februar 2012 Auch ich gebe dir vollkommen Recht, wobei ich nochmal den FACHarzt betonen möchte. Der Allgemeinmediziner hat m.E. in vielen Bereichen einfach nicht genug Routine um die Behandlung selbst zu übernehmen. (und ja ich weiß, dass Allgemeinmediziner auch Fachärzte sind, aber ihr wisst was ich meine Bei mir wurde ein Kreuzbandriss auch 3 Wochen lang von 3 verschiedenen Ärzten als Kapselzerrung behandelt, bis ich auf ein MRT bestanden hab. Ich hab jedem Arzt gesagt dass ich bis vor nem Jahr Skirennlauf als Leistungssport betrieben hab, aber die Stützleistung des Muskels hat trotzdem niemand mit eingerechnet, wenn sie ihre Untersuchungen und Tests (Schublade, etc.) gemacht haben. Andererseits merkt man an dem geschilderten Problem, wie wenig medienkompetent die Menschen doch im Bezug auf das Internet sind. (Fast) Alles wird geglaubt, ohne zu hinterfragen oder sich zumindest umfassend zu informieren. |
![]() | 05. Februar 2012 @Skifreak, drum auch der Facharzt vs. Onlineforum, ich denke es ist schon wichtig, dass man sich bei spezielleren Sachen auch an den Spezialisten wendet. Der Hausarzt (den ich in keinster Weise unter den Scheffel stellen will) kann eben nur bedingt untersuchen, weil ihm schlichtweg die Gerätschaften fehlen (und meistens das Budget). Wobei nicht jeder Facharzt auch gleichbedeutend gut ist...ich hab das selbst schon ein paar mal erlebt. Somit bleibt die Frage, zu welchem geht man, was natürlich Vertrauenssache ist und ein wenig ausprobieren. Sich also im Internet schlau machen is eine tolle Sache, aber es ersetzt nicht den Arztbesuch. Bedenklich finde ich es aber immer noch am meisten, wenn einfach irgendwelche Tabletten eingeworfen werden, obwohl man gar nicht weiss, was das Problem ist. |
![]() | 05. Februar 2012 Heutzutage kann sich ja auch jeder alles im Internet bestellen, womit wir beim nächsten Problem wären. Im Rettungsdienst ham wir schon oft die Situation erlebt dass sich Leute einfach en Pflaster aufgeklebt haben, von dem sie wussten, dass es "gegen die Schmerzen" hilft. Das war dann meistens noch von der Oma oder so, die Opiatpflaster brauchte wegen Krebs, etc. und diese auch gewohnt war. Und wir fahren dann wieder zur Opiatnarkose hin... |
![]() | 06. Februar 2012 Skifreak, genau da is des nächste Problem, die freie Verfügbarkeit von Medikamenten. Im fernsehen wird dann auch noch schön Werbung für alles gemacht und vom Freund der Bekannten einer Schwester hört man, dass des und des Mittelchen ihr ja bei den selben Beschwerden genauso geholfen hat und ja... Ich find die Entwicklung nicht gut. |
![]() | 06. Februar 2012 Wir denken das es schon wichtig ist, dass man sich bei spezielleren Sachen auch an den Spezialisten wendet. Als sich im Internet schlau machen , es ersetzt nicht den Arztbesuch. Bedenklich finden wir es aber immer noch am meisten, misbrauch von Tabletten ! |
![]() | 06. Februar 2012 ... Was mich, neben allen zuvor aufgeführten Dingen, ebenfalls sehr bedenklich stimmt, ist der Seelenstriptease, den etliche Nutzer in den Foren veranstalten und sich anschließend Heerscharen von Hobbypsychologen mit meistens weniger klugen, unsensiblen Ratschlägen darüber hermachen. Echt gruselig! Und traurig, weil zu spüren ist, dass das Menschen sind, die einfach einsam sind und kompetente Hilfe benötigen...und ganz bestimmt keine Küchenpsychologie. |
![]() | 06. Februar 2012 Du hast Recht Annae, ich bestätige das aus eigener Erfahrung. Zu meinem Problem gibt es haufenweise Threads, trotzdem kann das nicht helfen wenn es sich um eine richtige psychische Störung handelt. Habe aber bisher auch noch keinen Psychologen aufgesucht, obwohl ich weiß, dass ich ohne einen solchen das Problem nicht loswerde. Genau diese "schlauen Sprüche" helfen bei mir nämlich nicht. |
![]() | 06. Februar 2012 YMMD! "Non-compliance-Syndrom" Gibt es dazu eigentlich schon einen Schlüssel im ICD-10? Wenn nicht, es wäre an der Zeit! Ich denke, er wäre der künftig meistverwendete in unseren Protokollen... xD |
![]() | 06. Februar 2012 ICD-10 kennt auch keinen Morbus Mediterraneus Was du ansprichst ist enorm wichtig: Unserm Gesundheitssystem entstehen Milliardenverluste durch Nicht genommene Medikamente. Nicht nur direkt, sondern auch indirekt durch erhöhte Einweisungszahlen in die Ambulanzen. Außerdem wird die Natur dann gleich mittherapiert... |